Ins Handeln kommen
Simone Hoch: Vom schrecklichen Schicksalsschlag zu neuer Stärke

Simone Hoch ist eine Powerfrau und Kämpfernatur. Mit 45 Jahren erlebte sie einen schrecklichen Schicksalsschlag, der ihr Leben im Bruchteil weniger Sekunden auf den Kopf stellte. Doch trotz der gewaltigen Krise fand Simone Hoch in der dunkelsten Zeit ihres Lebens die Stärke, nicht aufzugeben. Sie entdeckte Handlungsspielräume und gab ihrem Leben einen neuen Sinn. Erfahre mehr über die Geschichte einer Frau, die mit 47 Jahren in ein neues Leben startete und ein echtes Vorbild für positive Glaubenssätze und die Kraft der Veränderungen ist!

Genug des Glücks

Simone Hoch erzählt: „Ich habe mit 47 Jahren eine Ausbildung zur Rettungsassistentin begonnen. Es war nicht leicht, denn wenn du dich in diesem Alter dazu entscheidest, neue Wege zu gehen, dann muss es vorher einen massiven Einschnitt in deinem Leben gegeben haben.“ Was war passiert? Die Speakerin erzählt: „Ganze 44 Jahre lang hatte ich ein nettes Leben. Doch im Laufe meines 45. Lebensjahrs hat das kleine Arschloch, welches das Leben manchmal sein kann, beschlossen: genug des Glücks.“ Ihre Tochter verunglückte bei einem Verkehrsunfall tödlich und Simone Hoch befand sich am absoluten Tiefpunkt ihres Lebens.

Über den Verlust ihrer Tochter erzählt sie: „Wenn dein Kind stirbt, zerbricht dein Herz. Deine Seele bekommt Risse und die Welt bleibt stehen. Es ist unfassbar, was da passiert. Unsere Freunde haben sich um uns gekümmert und uns geholfen, die ersten Tage zu überstehen. Es kam der Tag der Beerdigung. Und dann kam der Tag danach. Ich bin aufgewacht und war zum ersten Mal seit dem Unglück alleine. Ich wollte liegenbleiben und nicht mehr aufstehen. Ich dachte, dass ich das niemals wieder schaffen würde.“

Alles verloren – außer der Hoffnung

Doch trotz des Entsetzens, der Hilflosigkeit, dem Schmerz und der Ratlosigkeit tat sich ein kleiner Spalt auf, in dem Handlungsfähigkeit entstand. Simone Hoch berichtet: „Es folgten wirklich üble Zeiten, aber ich habe mir ganz viel Mühe gegeben, nicht zu viel zu trauern. Scheinbar war meine Mühe nicht groß genug. Denn nach zwei Jahren beschloss der wichtigste Mensch in meinem Leben, mein Mann, den Weg nicht weiter mit mir zu gehen. In meiner dunkelsten Lebensphase ließ er meine Hand los und ging alleine weiter.“

Simone Hoch fiel in ein noch tieferes Loch hatte kaum noch Lebensmut. Denn zum Verlust ihrer Tochter und dem Scheitern der Ehe kam der komplette Verlust ihrer existenziellen Sicherheit. Sie erzählt: „Ich hatte keinen Job, keine Wohnung, kein Auto, keine Krankenversicherung und kein Einkommen. Ich stand nachts mit Pantoffeln auf der Straße, während mein Leben in eine halbe Plastiktüte passte. Aber auch danach taten sich Spalte auf, in denen Handlungsfähigkeit entstand.“ Und genau diese Spalten waren kleine Hoffnungsschimmer, die langsam aber sicher immer größer wurden.

Achterbahnfahrt der Gefühle

Simone Hoch musste handeln und fackelte nicht lange. Sie erzählt: „Wohlüberlegte Entscheidungen treffe ich innerhalb weniger Sekunden. Also beschloss ich, Rettungsassistentin zu werden. Ich meldete mich bei einer Rettungsdienstschule an und saß an meinem ersten Schultag mit lauter 21-Jährigen im Klassenzimmer. Wenn man so ein Projekt plant, so angeschlagen wie ich war, dann braucht man einen Lehrer, der einem das Leben rettet.“ Ihr Rettungsdienstlehrer übernahm diese Rolle. Er motivierte Simone Hoch enorm und half ihr dabei, zu verstehen, dass es im Leben immer wieder bergauf geht.

Nach der Ausbildung ging es praktisch weiter. Simone Hoch berichtet: „Ich habe meine Ausbildung absolviert und eine Praktikumsstelle gefunden. Die erste Praktikumsschicht begann am 4. Januar 2010 – exakt am dritten Todestag meiner Tochter. Und so saß ich um 17:20 Uhr, zum Zeitpunkt ihres Unfalls, hinten im Krankenwagen und habe leise geweint.“

Die Spalten füllen

Doch die Ausbildung und das anschließende Praktikum gaben Simone Hoch einen neuen Sinn. Heute kann sie wieder lachen und erzählt: „Ich habe viel gelernt und mir in dieser Ausbildung alles geleistet, was man sich leisten kann. Ich habe mitten in der Innenstadt, auf dem Busbahnhof, direkt vor dem Redaktionsbüro des Solinger Tageblatts, den Ölfilter eines Rettungswagens abgefahren. Ich bin mit offen gestellten Türen zu Einsätzen gefahren. Meine Kollegin und ich sind im Juni mit runtergelassenen Schneeketten über die Straßen gefahren. Wir haben alles falsch gemacht, was man falsch machen kann.“

Was ihr dabei geholfen hat, den Weg zurück ins Leben zu finden? Helfer, die ihr vertraut und an sie geglaubt haben. Wenn Simone Hoch heute zurückschaut, dann blickt sie auf eine Kette von Menschen, die ihr geholfen haben, die Spalten zu erkennen, die sich auftaten und Handlungsfähigkeit zuließen. Sie sagt: „Diese Spalten darf man nie mit Verbitterung oder mit der Frage ‘Warum ich?’ füllen. Stattdessen muss man sie mit Handlung füllen. Ich wünsche allen, dass ihnen niemals etwas so Schreckliches wie mir passiert. Und wenn doch, dann sollte man niemals die wunderbaren Worte von Leonard Cohen vergessen, der sagte: There is a crack in everything. That’s how the light gets in.“

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