Exklusives Interview
Diana zur Löwen 1/3: Ein Leben als Influencerin

Das Wort „Influencer“ hat sich schon lange erfolgreich im Sprachgebrauch etabliert. Immer wieder stolpert man über den Begriff, der Persönlichkeiten bezeichnet, die andere Menschen über soziale Netzwerke beeinflussen. Diana zur Löwen ist eine von ihnen. Die 23-Jährige lebt in Köln und erreicht über YouTube und Instagram regelmäßig Millionen von Menschen. Ihre Top-Themen stammen aus dem Lifestyle-Bereich und befassen sich mit Fashion und Beauty. Zudem berichtet Diana aus ihrer ganz persönlichen Perspektive über das Erwachsenwerden. Im Interview spricht die junge Unternehmerin über ihr Leben als Social Media Star, über kritische Zuschauer und über das Mediennutzverhalten junger Menschen.

Motivation: Fashion Week

Als Diana begann, ihre ersten Videos für YouTube zu produzieren, war sie 16 Jahre alt. Wie kam sie als junges Mädchen dazu, ihr Leben online zu dokumentieren und mit Fremden zu teilen? Diana: „Ich habe mich schon früh mit dem Internet befasst und war häufig auf Blogs unterwegs. Mittlerweile sind Blogs in der Modewelt kein allzu großes Thema mehr, weil viel Content auf YouTube und Instagram erscheint. Aber früher hat man Blogs gelesen, um sich über Trends zu informieren. Ich dachte mir damals, wenn so viele bloggen können, dann kann ich das sicher auch.“

Mit Selbstauslöser und Stativ begann sie, ihre Outfits zu fotografieren und Bilder davon ins Netz zu stellen. Diana: „Ich habe schon damals gerne Second Hand Mode gekauft. Einige meiner Freunde fanden das aber nicht so cool. Über das Internet konnte ich Leute kennenlernen, die genau die gleiche Leidenschaft hatten wie ich.“ Ihr großes Ziel war es, einmal bei der Berliner Fashion Week in der ersten Reihe sitzen zu dürfen. Diana: „Das hat mich motiviert. Für mich hatte die Modewelt damals einen richtigen Glamour und Zauber. Mittlerweile sehe ich das ein bisschen anders. Aber damals war es ein großer Antrieb für mich, Teil dieser Welt zu sein.“

Dianas Social Media Karriere

Zwei Jahre später, im Alter von 18 Jahren, erhielt Diana ihre erste Einladung zur Berliner Fashion Week. Doch das sollte erst der Anfang ihrer steilen Social Media Karriere! Mittlerweile produziert die 23-jähige BWL-Studentin aufwändige Videos, hat gutbezahlte Sponsoring-Verträge mit unterschiedlichen Marken und kennt die Industrie, die mit Inluencern arbeitet, um Produkte zu vermarkten.

Wie sieht ihr Alltag zwischen dem Online-Dasein und dem echten Leben aus? Diana: „Das Schöne ist, dass jeder Tag anders abläuft, und ich genieße die Freiheit. Natürlich liegt mein Fokus auf der Content-Produktion. Ich habe einen YouTube-Kanal, mache viele Fotos für Instagram und habe einen Podcast, der „Erwachsen werden“ heißt.“ Für den Podcast und die Videos bereitet sich Diana redaktionell vor. Dafür überlegt sie sich im Vorfeld, wohin sie ihre Follower mitnehmen und welche Message sie übermitteln möchte: „Ich filme nicht einfach drauf los, sondern mache mir immer Gedanken und habe einen digitalen Redaktionsplan.“

Influencerin & Unternehmerin

Zudem ist Diana regelmäßig auf Events unterwegs: „Heute bin ich um 4:30 Uhr aufgestanden, weil ich gestern noch bei einem Event mit einer Modemarke und einer Zeitschrift war. Daneben mache ich Beratungsprojekte und werde als Speakerin angefragt.“ Um ihr Arbeitspensum zu bewältigen, hat Diana eine feste Mitarbeiterin, die sie bei der Produktion des Contents unterstützt, sowie einen Cutter und ein Management, das Vertragsverhandlungen übernimmt.

Das Studium kommt Diana bei ihren beruflichen Tätigkeiten zugute. Sie sagt: „Ich mag die Mischung aus BWL und dem Dasein als Influencer. Und da meine Inhalte häufig das Thema Erwachsenwerden beinhalten, weiß ich, wie die Jugend von heute tickt und was ihre Bedürfnisse sind. Das ist auch für Marken sehr spannend – zum Beispiel um sich als Arbeitgeber attraktiv zu machen. Ich weiß, was jungen Menschen besonders wichtig ist, denn ich bekomme zu diesen Themen viel Feedback von meinen Zuschauern. Das ist für Marken und Unternehmen wiederum sehr wertvoll.“

Zielgruppe & Bekanntheit

Die Unternehmerin weiß, dass sich ihre Bekanntheit auf eine bestimmte Zielgruppe konzentriert. Viele Jugendliche und junge Erwachsene kennen Diana. Für ältere Menschen, die sich weniger in sozialen Netzwerken aufhalten, ist sie eine Unbekannte. Wie lässt sich das erklären? Diana: „Jeder lebt ja in seiner eigenen Blase. Wenn ich das Leben meiner Eltern mit meinem vergleiche, sehe ich große Unterschiede. Meine Eltern gucken regelmäßig Nachrichten, lesen die Zeitung und hören Radio. Das sind alles Dinge, dich ich nicht mache. Ich habe keinen Fernseher, höre mir online Musik an und bin auf YouTube unterwegs.“

Die Kölnerin weiß, dass jeder eine eigene Verantwortung trägt, welche Medien er konsumiert: „Ich könnte mich nur noch über Mode informieren aber überhaupt nicht mehr darüber, was in der Politik geschieht. Man stellt sich seine Nachrichten und seinen Input heute individuell zusammen. Dadurch hat man die Möglichkeit, in seiner Blase zu bleiben. Und so entsteht es, dass man beispielsweise als Influencer in einer Nische riesig ist und einen alle anderen nicht kennen.“

Neues Nutzungsverhalten

Das Nutzungsverhalten ändert sich laut der Expertin dahingehend, dass man heute viel zielorientierter nach Inhalten sucht und sich extrem in seiner Nische bewegt. Diana: „Man gewöhnt sich an diese Art der Inhalte. YouTube-Videos sind beispielsweise viel kürzer als Spielfilme. Es ist verrückt, wie stark sich das wandelt. Man sieht auch, dass andere Medien wie Verlage und Fernsehsender umdenken müssen. Sie müssen überlegen, wie sie ihre Produkte und Programme künftig gestalten, weil ihre Medien für junge Leute nicht mehr so relevant sind.“

Authentizität & Kritik

Diana lässt ihre Follower an ihrem Leben teilhaben. Das funktioniert gut, denn junge Menschen lassen sich gern von Vorbildern inspirieren, die sich in einer ähnlichen Lebenssituation befinden. Das Zauberwort lautet: Identifikation. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Diana authentisch sein muss. Doch immer wieder kommen kritische Stimmen auf – beispielsweise bezüglich der Marken, mit denen Diana kooperiert. Sie möchte für Nachhaltigkeit stehen, wirbt aber für Kosmetikprodukte, die diesem Ideal widersprechen.

Wie schafft es die Influencerin, eine Balance zu finden und mit Kritik umzugehen? Diana: „Das ist auch für mich ein großer Umdenkprozess. Es gibt Marken, mit denen ich Jahresverträge habe und für die ich vielleicht im nächsten Jahr nicht weiterarbeiten werde, wenn es keinen Sinn mehr macht. Ich merke aber auch, dass ich mit Marken reden und ihnen mitteilen kann, was meine Zuschauer überhaupt nicht gut finden. Und dann kann ich beispielsweise Tipps geben, nachhaltiger zu werden. Das ist für viele Marken und Konzerne ein riesiger Schritt, aber ich glaube, ich kann da ein guter Impulsgeber sein.“

Im zweiten Teil ihres Interviews spricht Diana zur Löwen über Konkurrenz innerhalb der YouTuber Szene, über Stärken, Schwächen und darüber, was sie der jungen Generation mit auf den Weg geben möchte.

Jetzt weiterlesen!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.